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30.08.2010 Bericht aus Sri Lanka von unserer Auszubildenen Wiebke Okken, 3. Lehrjahr. Moin nach Deutschland! Flexibel und segelerfahren sollen sie sein – die Segelmacher von heute. Aber wie kommt man dahin? Leider kann man nicht alles in einem Ausbildungsbetrieb lernen. Gerade in so speziellen Randberufen kommen manche Themen zu kurz. Andere werden dafuer um so intensiver behandelt. Hier bei „Beilken-Sails“ bekommt man das gebuendelte Wissen zum Thema “Segel”. Langjaehrig praktizierende Segelmacher geben ihre Tipps und ihre Kenntnisse weiter. Das gut gemischte Team hat fuer jedes Problem den richtigen Ansprechpartner. Der Vorteil liegt klar in dem Umfang an verschiedenen Segeln, die das Beilken-Team herstellt. Hier kann man von einem riesigen Erfahrungsschatz profitieren. Viele technische Einzelheiten und kleine Tricks und Kniffe bekommt man in seinen Lehrjahren zu sehen und beigebracht. Der Einsatz verschiedenster Tuche und Materialen, unterschiedliche Designmoeglichkeiten und Schnitte foerdern und fordern einen Segelmacherlehrling. So bekommt man in den 3 Lehrjahren sehr viel zum Thema “Segel bauen” in die Haende gelegt.
Um meine Ausbildung zu erweitern, habe ich mich mit meinem Chef (Joerg Mueller-Arnecke) um einen Praktikumsplatz gekuemmert. Der europaeische Markt war nicht sehr interessiert an einer Praktikantin. Aber das Glueck hat mitgespielt und der Geschaeftsfuehrer unseres Tuchlieferanten „Dimension-Polyant“ Uwe Stein ist auf das Gesuch aufmerksam geworden. Er bot mir einen Praktikumsplatz in Sri Lanka an. “Sri Lanka? Das ist ein Billiglohnland – da geh ich nicht hin.”, war mein erstes Urteil. Ich sollte mich getaeuscht haben. Der asiatische Textilmarkt ist aktuell ein sehr aktuelles Thema in Deutschland und ich wurde neugierig. Immerhin ist das Land nicht gerade nebenan; ich wuerde in eine vollkommen andere Kultur und Mentalitaet eintauchen muessen und koennte nicht sofort nach Hause gehen, wuerde es mir nicht gefallen. Die Neugier siegte und ich unterschrieb den Praktikumsvertrag ueber 10 Wochen. Die Firma „Dimension-Polyant” hat eine ganz neue Segelmacherei nach europaeischen Standards im Westen der Insel aufgebaut. Mit Reinhard Malzahn als Tutor und Segelmacher habe ich einen hervorragenden Ausbilder bekommen. Er hat die ganze Produktion unter Kontrolle – eine Produktion, die nach deutschem Standard ablaeuft (zertifiziert durch ISO 9000). Die rund 40 Arbeitnehmer erhalten eine gerechte Entlohnung. Sie bekommen firmeninterne Eglischkurse und haben eine eigene Kantine mit warmen Mittagessen und Teezeiten. Auch fuer die medizinische Versorgung vor Ort stehen Personal und Raeumlichkeiten zur Verfuegung. Eigentlich ist alles so, wie ich es aus heimatlichen Gefilden kenne. Ich habe mich darueber gefreut und war sehr erleichtert, ein ebenso professionelles Umfeld wie in Deutschland vorzufinden. Was lerne ich hier? Als erstes werden meine Sprachkenntnisse aufgefrischt. Englisch ist die dritte Amtssprache in Sri Lanka. Die intensive internationale Korrespondenz in die USA, nach Europa und nach Australien ist was ganz neues. Meine Hauptaufgaben sind das theoretische Vorbereiten und Einbringen von kleinen Projekten in die Produktion, z.B. der Entwurf eines Segelsackes fuer ein 250 Kilogramm schweres Grosssegel. Toll ist, dass man mal dem Chef ueber die Schulter gucken kann und einen kleinen Einblick in die Geschaeftswelt bekommt. Die allerersten Kontakte werden geknuepft. Die Organisation der Produktion wird mir erklaert und ich verstehe immer mehr auch die Ablaeufe der Fertigung in unserem Hause. Der Vorteil der Werkstatt ist, dass ich einen Eindruck ueber die unterschiedlichen Ansprueche und Erwartungen von Designern aus verschiedenen Kontinenten an die Segelproduktion erhalte. Ein normales Segel zu bauen wuerde ich mir schon zutrauen, aber ein exzellentes Segel, mit richtigen coolen kleinen Tricks, ist schon etwas anderes. Dafuer muss man einfach ueber Jahre hinweg viel gesehen und gebaut haben. Was nehme ich privat mit? Mit Sri Lanka habe ich persoenlich eine mir ganz fremde Kultur kennengelernt. Auch wenn es hier nicht so aussieht wie in Europa kann man sehr gut leben. Tempo 40 ist hier auf nahezu allen Strassen Durchschnittsgeschwindigkeit, der Strom faellt manchmal kurz aus und abends mal weggehen ist einfach nicht ueblich. Die Menschen nehmen es mit sichtlichen Befremden zur Kenntnis, wenn ich berichte noch nicht verheiratet zu sein. Im Grunde funktioniert im Alltag alles und man merkt, dass Ueberfluss auch ueberfluessig sein kann.
 Viele liebe Gruesse an das Beilken-Team (ich freu mich Euch bald wieder zu sehen) und unsere neuen Azubis. Vielen Dank fuer die Chance an meinen Chef, an „Dimension-Polyant“ mit Herrn Stein, an unseren Werkstattleiter (und an unseren Designer, der mich doch noch mal ermutigt hat) und an Herrn Malzahn. |